Zusammenfassung: Wer halal einkauft, verlässt sich auf private Zusagen. Der Begriff "halal" ist in der EU lebensmittelrechtlich nicht geschützt, ein staatliches Siegel gibt es nicht, und die Zertifizierer arbeiten nach unterschiedlichen Standards, etwa bei der Frage, ob Tiere vor der Schlachtung betäubt werden dürfen [5][6]. Für Döner- und Imbissbetriebe, Restaurants, Kantinen und Einzelhändler heißt das: Nicht das Wort "halal" auf dem Karton zählt, sondern ein gültiges Zertifikat, das genau den gelieferten Artikel und den herstellenden Betrieb abdeckt. Dazu kommen Trennung in Lager und Küche und ein genauer Blick auf verarbeitete Produkte, denn Gelatine, Alkohol als Trägerstoff und manche Zusatzstoffe sind im Zutatenverzeichnis nicht immer zu erkennen. Im Verzeichnis sind über 30 Großhändler mit Halal-Sortiment gelistet, mehr als die Hälfte davon in Nordrhein-Westfalen. Sie finden sie unter Halal-Sortiment.
Was "halal" für Fleisch, Geflügel und verarbeitete Produkte bedeutet
"Halal" bedeutet "rein" oder "erlaubt", das Gegenteil ist "haram" [5]. Für den Einkauf lassen sich die Anforderungen in drei Bereiche gliedern.
Fleisch und Geflügel. Als halal gilt Fleisch von Pflanzenfressern wie Rind und Schaf sowie Huhn, wenn die Tiere geschächtet wurden [5]. Haram sind Schweinefleisch und alle daraus hergestellten Produkte, Blut und Blutprodukte wie Blutwurst sowie Fleisch verendeter Tiere [5]. In der Praxis unterscheiden sich die Zertifizierer vor allem bei der Betäubung: Einige erkennen Fleisch als halal an, wenn Elektrokurzzeitbetäubung oder Bolzenschussapparate eingesetzt wurden, andere legen das betäubungslose Schächten zugrunde [5]. Einige islamische Rechtsgelehrte akzeptieren die Betäubung aus Tierschutzgründen [5]. Fragen Sie deshalb nicht nur "Ist das halal?", sondern "Nach welchem Standard und von wem zertifiziert?".
Verarbeitete Produkte. Hier stecken die meisten Risiken. Gelatine aus Schweinerohstoffen ist haram, damit auch Joghurts, Torten oder Fruchtgummis, die sie enthalten [5]. Gelatine aus Schweineschwarten wird außerdem zum Andicken von Desserts und als Klärhilfe in Fruchtsaft verwendet [7]. Alkohol und alkoholhaltige Lebensmittel wie manche Eiscremes oder Pralinen sind haram [5], und Aromen oder Farbstoffe können mit Hilfe von Alkohol hergestellt sein [5].
Zusatzstoffe und E-Nummern. Grundsätzlich gilt: Stammen Zutaten oder Zusatzstoffe aus einem Rohstoff oder Verfahren, das haram ist, dürfen sie genau genommen nicht verzehrt werden [7]. Häufig gefragt wird nach dem Emulgator E 471 ("Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren"). Ob er aus pflanzlichen oder tierischen Fetten stammt, lässt sich am Etikett nicht erkennen. Genaue Auskunft kann nur der Hersteller geben [5]. Der Farbstoff E 120 (Echtes Karmin) wird aus Schildläusen gewonnen [10]. Ob ein Zertifizierer ihn zulässt, sollten Sie im Zweifel direkt klären.
Warum das Zutatenverzeichnis nicht reicht
Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) nimmt bestimmte Bestandteile ausdrücklich von der Angabe im Zutatenverzeichnis aus. Nach Artikel 20 LMIV müssen unter anderem Trägerstoffe, die nur in den unbedingt erforderlichen Mengen verwendet werden, sowie Zusatzstoffe und Enzyme, die im Endprodukt keine technologische Wirkung mehr haben oder als Verarbeitungshilfsstoffe dienen, nicht aufgeführt werden [9]. Ein Aroma mit Alkohol als Trägerstoff oder ein Enzym tierischen Ursprungs kann also im fertigen Produkt stecken, ohne auf dem Etikett zu stehen. Für Halal-Betriebe ist die Zutatenliste deshalb nur eine erste Prüfung. Verlässlich sind ein Halal-Zertifikat für den konkreten Artikel oder eine schriftliche Herstellerauskunft.
Rechtsrahmen in Deutschland: Betäubungspflicht und Ausnahmegenehmigung
Grundregel. § 4a Abs. 1 Tierschutzgesetz: "Ein warmblütiges Tier darf nur geschlachtet werden, wenn es vor Beginn des Blutentzugs zum Zweck des Schlachtens betäubt worden ist." [1]
Ausnahme. Nach § 4a Abs. 2 Nr. 2 kann die zuständige Behörde eine Ausnahmegenehmigung für das Schlachten ohne Betäubung (Schächten) erteilen. Voraussetzung ist, dass zwingende Vorschriften einer Religionsgemeinschaft das Schächten vorschreiben oder den Verzehr von Fleisch nicht geschächteter Tiere untersagen [1].
Rechtsprechung.
- Das Bundesverfassungsgericht entschied am 15. Januar 2002 (1 BvR 1783/99) im Fall eines muslimischen Metzgers aus Hessen, dass die Ausnahmevorschrift auch muslimischen Metzgern offensteht. Als Religionsgemeinschaft genügt eine Gruppe mit gemeinsamer Glaubensüberzeugung, auch innerhalb des Islam. Der Antragsteller muss substantiiert und nachvollziehbar darlegen, dass nach dieser Überzeugung der Fleischverzehr eine betäubungslose Schlachtung zwingend voraussetzt [2].
- Das Bundesverwaltungsgericht stellte am 23. November 2006 (3 C 30.05) klar, dass die Aufnahme des Tierschutzes als Staatsziel in Art. 20a Grundgesetz solche Genehmigungen nicht ausschließt. Tierschutz und Religionsfreiheit sollen beide Wirkung entfalten können [3].
- Der Europäische Gerichtshof entschied am 17. Dezember 2020 (C-336/19) zu einem Verbot in Flandern, dass EU-Mitgliedstaaten auch bei rituellen Schlachtungen eine Betäubung vorschreiben dürfen [4].
Folgen für den Einkauf. Halal-Schlachtungen erfolgen in Deutschland fast ausschließlich mit Betäubung oder mit einer behördlichen Ausnahmegenehmigung. Der Import von Fleisch geschächteter Tiere ist erlaubt, und solches Fleisch darf uneingeschränkt vermarktet werden [5]. Ob Ihr Halal-Fleisch aus Deutschland oder aus dem Ausland stammt und ob betäubt wurde, erfahren Sie nur über das Zertifikat und die Herkunftsangaben des Lieferanten.
Kein staatliches Siegel: private Halal-Zertifizierer
Weil "halal" rechtlich nicht geschützt ist, gibt es zahlreiche Halal-Siegel von traditionellen oder herstellerorientierten Zertifizierern [5]. Das Verbraucherportal Bayern spricht von rund 100 Halal-Zertifikaten verschiedener Institute [7]. Unabhängig vom Siegel gilt das Irreführungsverbot: Ein als halal beworbenes Produkt, das Schweinefleisch enthält, wäre irreführend [6].
Beispiele für Zertifizierer mit Sitz in Deutschland (Angaben laut eigener Website bzw. Registereintrag, Stand: September 2026):
| Zertifizierer | Sitz | Eigene Angaben |
|---|---|---|
| HALAL CONTROL GmbH | Rüsselsheim am Main | seit 2001; nennt Anerkennungen u. a. durch JAKIM (Malaysia), BPJPH (Indonesien), MUIS (Singapur) und das Gulf Accreditation Center [11] |
| Halal Quality Control GmbH (HQC) | Darmstadt | nennt Halal-Zertifizierung für Fleischprodukte seit 1983 und Anerkennungen u. a. durch MUI (Indonesien), JAKIM und GAC [12] |
| HQC Germany | Osnabrück | am Halal-Zertifizierungsmarkt seit 2010, Sitz in Osnabrück seit 2014 [13] |
| EHZ Europäisches Halal Zertifizierungsinstitut | Hamburg | 2001 als Non-Profit-Organisation der IGMG gegründet; Echtheitsprüfung per QR-Code auf dem Zertifikat [14] |
| IIDC Islamic Information Documentation and Certification GmbH | Straubing | im Register des Central Islamic Council of Thailand als akkreditierte ausländische Zertifizierungsstelle geführt, gültig bis 15.07.2028 [15] |
Die Tabelle ist keine Bewertung und nicht vollständig. Sie zeigt aber ein praktisches Problem: Ähnliche Namen wie "HQC" gehören zu verschiedenen Organisationen. Prüfen Sie daher immer den genauen Aussteller mit Anschrift. Ein Kürzel reicht nicht. Welcher Zertifizierer für Sie passt, hängt von Ihren Kunden ab: Ein Imbiss mit überwiegend türkischstämmiger Kundschaft hat womöglich andere Erwartungen als ein Exporteur, der eine Anerkennung im Zielland braucht.
So prüfen Sie ein Halal-Zertifikat
Lassen Sie sich das Zertifikat vor der ersten Bestellung aushändigen und bei jeder Verlängerung neu schicken. Diese Punkte sollten Sie prüfen:
- Aussteller: vollständiger Name und Anschrift des Zertifizierers, nicht nur ein Logo.
- Gültigkeit: Ausstellungs- und Ablaufdatum. Bei EHZ zum Beispiel gelten Zertifikate je nach Risikoeinstufung ein bis drei Jahre, dazu kommen angekündigte und unangekündigte Audits [14]. Ein abgelaufenes Zertifikat deckt aktuelle Lieferungen nicht ab.
- Betrieb und Standort: Ist der Betrieb zertifiziert, der das Produkt herstellt oder zerlegt? Das Zertifikat eines Händlers deckt nicht automatisch die Ware aller seiner Lieferanten ab. Der Hamburger Dönerhersteller ONLY Helal Döner Produktion gibt zum Beispiel an, sich Zertifikate aller Lieferanten vorlegen zu lassen und diese regelmäßig selbst zu besuchen [19].
- Geltungsbereich (Scope): Schlachtung, Zerlegung, Verarbeitung, Lagerung oder Handel? Und welche Tierarten?
- Produktliste: Stehen die konkreten Artikel (Bezeichnung, Artikelnummer, Marke) auf dem Zertifikat oder seiner Anlage? Gleichen Sie das mit dem Lieferschein ab.
- Standard: Welche Anforderungen gelten für die Betäubung? Das ist oft der wichtigste Punkt für Ihre Gäste.
- Echtheit: Nutzen Sie, falls angeboten, die Prüfmöglichkeit des Zertifizierers, zum Beispiel den QR-Code [14], oder fragen Sie direkt beim Aussteller nach.
Warnsignale: ein Zertifikat ohne Ablaufdatum, ein Firmenname, der nicht zum Lieferanten passt, Produktgruppen statt Artikel oder die bloße Aussage "alles halal" ohne Nachweis.
Döner, Imbiss und Restaurant: worauf es beim Fleischeinkauf ankommt
Für Dönerspieße gelten neben den Halal-Anforderungen die Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse des Deutschen Lebensmittelbuchs. Ein Spieß mit der Bezeichnung "Döner Kebab" wird aus Rind-/Kalbfleisch und/oder Schaf-/Lammfleisch hergestellt. Der Hackfleischanteil darf höchstens 60 Prozent betragen. Außer Salz und Gewürzen sowie gegebenenfalls Eiern, Zwiebeln, Öl, Milch und Joghurt enthält er keine weiteren Zutaten. Bei Hähnchen- oder Puten-Döner wird kein wie Hackfleisch zerkleinertes Fleisch eingesetzt, der Hautanteil beträgt höchstens 18 Prozent [16]. Wer Spieße mit höherem Hackfleischanteil kauft, muss sie anders bezeichnen. Das betrifft die Speisekarte, nicht nur den Einkauf.
Typische Bezugswege für Gastronomie und Imbiss:
- Spezialisierte Döner- und Fleischhersteller liefern Spieße, Hackfleisch-Drehspieße, Hähnchenspieße und Burger-Patties, meist tiefgekühlt. Beispiele im Verzeichnis sind ONLY Helal Döner Produktion in Hamburg, das Europa-weite Lieferungen angibt [19], und Kismet Fleisch in Köln mit Hackfleisch-, gemischtem und Hähnchen-Döner [20].
- Halal-Fleischgroßhändler für Rind, Kalb, Lamm und Geflügel, etwa Ertürk Fleisch Großhandel in Lägerdorf (Schleswig-Holstein), der Gastronomie, Einzelhandel und Gewerbekunden nach eigener Angabe ausschließlich mit halal-zertifizierter Ware beliefert [18].
- Gastronomie-Großmärkte mit Halal-Schwerpunkt, die neben Lebensmitteln auch Dönerboxen, Pizzakartons und Tragetaschen führen, zum Beispiel MELEDI Dortmund und MELEDI Bochum für Restaurants, Cafés und Liefergastronomie [21].
- Großhandel mit Lagerverkauf, wie Blomens Food in Gelsenkirchen. Das Unternehmen bietet tiefgekühltes Hähnchen- und Rindfleisch als halal an und nennt sich einen der größten Halal-Produkthändler Europas. Einen Zertifizierer nennt die Website nicht [17]. Das ist ein typischer Fall, in dem Sie das Zertifikat anfordern sollten.
Alle Fleischanbieter finden Sie in der Kategorie Fleisch, Anbieter nach Region über die Landesseiten, zum Beispiel Nordrhein-Westfalen, Köln oder Hamburg. Allgemeine Kriterien für die Auswahl eines Fleischlieferanten beschreibt der Ratgeber Fleisch & Wurst Großhandel.
Kantinen, Caterer und Einzelhandel
Gemeinschaftsverpflegung. Kantinen und Caterer bieten Halal-Gerichte meist als eine Linie neben anderen an. Entscheidend ist, dass die Halal-Linie vom Einkauf bis zur Ausgabe durchgängig bleibt: zertifizierte Artikel, getrennte Lagerung, eigene Utensilien und eine klare Kennzeichnung an der Ausgabe. Anbieter für diese Zielgruppe finden Sie unter Gemeinschaftsverpflegung.
Einzelhandel. Orientalische und türkische Supermärkte beziehen oft ein breites Sortiment aus einer Hand: Fleisch, Konserven, Gewürze, Backwaren und Süßwaren. Im Verzeichnis führen zum Beispiel die Pyramiden Int. Handel GmbH (Halal-Fleisch, Tiefkühlware, Gemüse, Backwaren und Fisch) und Ariana Orient House (Fleisch und Geflügel aus Halal-Schlachtung) solche Sortimente. Weitere Anbieter finden Sie unter Türkisch-orientalische Lebensmittel, Internationale Lebensmittel und im Ratgeber Internationale Lebensmittel im Großhandel. Wer Halal-Ware weiterverkauft, sollte die Zertifikate seiner Lieferanten griffbereit haben, denn Kunden fragen danach.
Trennung in Lager und Küche
Produktion, Lagerung und Zubereitung von Halal-Lebensmitteln müssen strikt von verbotenen Lebensmitteln getrennt sein [7]. In der Praxis bewährt sich:
- Wareneingang: Zertifikat und Lieferschein abgleichen, Halal-Ware sofort kennzeichnen.
- Lagerung: eigene Regalfächer oder Kühlbereiche. Halal-Ware nie unter unverpackter Schweinefleisch-Ware lagern.
- Küche: eigene Schneidbretter, Messer, Fritteusen und Grillflächen. Keine gemeinsamen Frittierfette mit Schweinefleischprodukten.
- Zutaten: Marinaden, Saucen, Brühen und Desserts auf Gelatine, Wein, Alkohol als Trägerstoff und tierische Fette prüfen.
- Dokumentation: Zertifikate mit Ablaufdatum ablegen, Verantwortliche benennen, Personal schulen.
Die Trennung lässt sich gut in das bestehende Hygienekonzept einbauen. Hinweise dazu gibt der Ratgeber HACCP im Lebensmittelgroßhandel.
Kühlkette bei Halal-Fleisch
Halal ändert nichts an den Hygienevorgaben. Frischfleisch, Geflügel, Hackfleisch und tiefgekühlte Dönerspieße unterliegen denselben Temperaturgrenzen wie jede andere Fleischware. Prüfen Sie beim Wareneingang Temperatur, Verpackung und Mindesthaltbarkeits- bzw. Verbrauchsdatum und dokumentieren Sie das. Die geltenden Grenzwerte und Pflichten fasst der Ratgeber Kühlkette im Lebensmittelgroßhandel zusammen. Großhändler mit eigener Kühllogistik finden Sie unter Kühllogistik.
Halal und koscher: die wichtigsten Unterschiede
Beide Speisegesetze verlangen eine rituelle Schlachtung mit vollständigem Ausbluten. Austauschbar sind sie aber nicht.
| Merkmal | Halal | Koscher |
|---|---|---|
| Erlaubte Säugetiere | u. a. Rind, Schaf; Schwein verboten [5] | Wiederkäuer mit gespaltenen Hufen, z. B. Rind, Schaf, Ziege; Huhn erlaubt [8] |
| Fisch | - | nur mit Schuppen und Flossen [8] |
| Fleisch und Milch | keine Trennung vorgeschrieben | dürfen nicht gemeinsam zubereitet und gegessen werden [8] |
| Alkohol | verboten [5] | erlaubt, wenn koscher produziert [8] |
| Zertifizierung | private Halal-Zertifizierer | ausgebildete Rabbiner [8] |
Für einen Halal-Betrieb ersetzt ein Koscher-Zertifikat deshalb kein Halal-Zertifikat, und umgekehrt. Anbieter koscherer Ware finden Sie unter Koscher.
Checkliste für den Halal-Einkauf
- Welchen Halal-Standard erwarten meine Gäste oder Kunden, auch bei der Betäubung?
- Liegt für jeden Halal-Artikel ein gültiges Zertifikat mit Aussteller, Betrieb, Scope und Produktliste vor?
- Ist das Zertifikat vom Hersteller oder nur vom Händler?
- Sind verarbeitete Produkte (Saucen, Desserts, Backwaren, Wurst) auf Gelatine, Alkohol und tierische Zusatzstoffe geprüft, notfalls per Herstellerauskunft?
- Sind Lager und Küche getrennt, und kennt das Personal die Regeln?
- Sind Kühlkette und Wareneingang dokumentiert?
- Stimmen Bezeichnungen wie "Döner Kebab" mit den Leitsätzen überein?
Zahlen zur Entwicklung der Halal-Gastronomie in Deutschland finden Sie im Beitrag Halal-Restaurant-Statistiken Deutschland. Großhändler mit Halal-Sortiment nach Region: Halal-Sortiment. Händler, die Halal-Zertifikate angeben: Zertifikat Halal. Anbieter für Restaurants und Imbisse: Gastronomie.
Häufige Fragen
Gibt es in Deutschland ein staatliches Halal-Siegel? Nein. Der Begriff "halal" ist in der EU lebensmittelrechtlich nicht geschützt, und es gibt keine einheitlichen Standards [5][6]. Halal-Zertifikate stellen private Zertifizierer nach jeweils eigenen Kriterien aus. Eine Halal-Angabe darf aber nicht irreführend sein [6].
Ist Schächten in Deutschland erlaubt? Grundsätzlich nicht. Nach § 4a Tierschutzgesetz müssen warmblütige Tiere vor dem Blutentzug betäubt werden. Die zuständige Behörde kann eine Ausnahmegenehmigung erteilen, wenn zwingende Vorschriften einer Religionsgemeinschaft das Schächten verlangen [1]. Fleisch geschächteter Tiere darf importiert und vermarktet werden [5].
Ist Fleisch von betäubten Tieren halal? Das hängt vom Zertifizierer ab. Einige erkennen Fleisch als halal an, wenn Elektrokurzzeitbetäubung oder Bolzenschuss eingesetzt wurde, andere setzen betäubungsloses Schächten voraus [5]. Klären Sie mit Ihren Gästen oder Kunden, welcher Standard erwartet wird, und fragen Sie beim Großhändler gezielt nach.
Wie prüfe ich ein Halal-Zertifikat meines Lieferanten? Prüfen Sie Aussteller mit Anschrift, Gültigkeitszeitraum, den zertifizierten Betrieb oder Standort, den Geltungsbereich und die Produktliste. Gleichen Sie Artikelnummern mit Ihrer Bestellung ab und nutzen Sie, falls vorhanden, die Echtheitsprüfung des Zertifizierers, etwa per QR-Code [14].
Ist koscheres Fleisch automatisch halal? Nein. Beide Speisegesetze verlangen eine rituelle Schlachtung, unterscheiden sich aber in wichtigen Punkten: Im Judentum ist Alkohol erlaubt, sofern er koscher produziert wurde, im Islam ist er verboten. Die strikte Trennung von Fleisch und Milch gilt dagegen nur für koschere Lebensmittel [5][8]. Für einen Halal-Betrieb zählt deshalb das Halal-Zertifikat.
Quellen
- Tierschutzgesetz, § 4a Schlachten - https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/__4a.html (Abruf: 2026-09-28)
- Bundesverfassungsgericht, Urteil vom 15. Januar 2002, 1 BvR 1783/99 - https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2002/01/rs20020115_1bvr178399.html (Abruf: 2026-09-28)
- Bundesverwaltungsgericht, Pressemitteilung Nr. 64/2006 zu 3 C 30.05 - https://www.bverwg.de/de/pm/2006/64 (Abruf: 2026-09-28)
- Legal Tribune Online: EuGH zum Schächten (C-336/19, 17.12.2020) - https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/eugh-c-336-19-rituelles-schlachten-schaechten-ohne-betaeubung-darf-verboten-werden-tierschutz (Abruf: 2026-09-28)
- Verbraucherzentrale: Halal essen - Wann ist ein Produkt "halal"? (Stand 14.08.2026) - https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/kennzeichnung-und-inhaltsstoffe/halal-essen-wann-ist-ein-produkt-halal-12283 (Abruf: 2026-09-28)
- Lebensmittelklarheit: Kennzeichnung "Halal" ohne Siegel - https://www.lebensmittelklarheit.de/fragen-antworten/kennzeichnung-halal-ohne-siegel (Abruf: 2026-09-28)
- Verbraucherportal Bayern (VIS): Halal-Ernährung - https://www.vis.bayern.de/essen_trinken/ernaehrungsformen/halal.htm (Abruf: 2026-09-28)
- Verbraucherportal Bayern (VIS): Koscher - https://www.vis.bayern.de/essen_trinken/ernaehrungsformen/koscher.htm (Abruf: 2026-09-28)
- Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (LMIV), Artikel 20 - https://gesetze.legal/eu/vo_eu_2011_1169/20 (Abruf: 2026-09-28)
- Deutsches Zusatzstoffmuseum: E 120 Echtes Karmin - https://www.zusatzstoffmuseum.de/lexikon-der-zusatzstoffe/echteskarmin.html (Abruf: 2026-09-28)
- HALAL CONTROL GmbH - https://halalcontrol.de/ (Abruf: 2026-09-28)
- Halal Quality Control GmbH (HQC), Über HQC - https://www.hqc-germany.com/ueber-hqc (Abruf: 2026-09-28)
- HQC Germany, Wer ist HQC - http://halalquality.de/en/wer-ist-hqc/ (Abruf: 2026-09-28)
- IslamiQ: Interview mit dem EHZ, 21.01.2026 - https://www.islamiq.de/2026/01/21/unsere-aufgabe-ist-es-verlaessliche-halal-standards-nachvollziehbar-zu-machen/ (Abruf: 2026-09-28)
- Central Islamic Council of Thailand, Register ausländischer Halal-Zertifizierungsstellen: IIDC (Germany) - https://www.halal.or.th/en/foreign_halal_cb/detail/53 (Abruf: 2026-09-28)
- LAVES Niedersachsen: Ist Döner Kebab drin, wo Döner Kebab draufsteht? - https://www.laves.niedersachsen.de/startseite/lebensmittel/lebensmittelgruppen/fleisch_fleischerzeugnisse/ist-doener-kebab-drin-wo-doener-kebab-draufsteht-148446.html (Abruf: 2026-09-28)
- Blomens Food GmbH & Co. KG - https://www.blomens-food.de (Abruf: 2026-09-28)
- Ertürk Fleisch Großhandel GmbH - https://www.ertuerkfleischgrosshandelgmbh.de/ (Abruf: 2026-09-28)
- ONLY Helal Döner Produktion GmbH - https://www.nur-helal-doener.de/ (Abruf: 2026-09-28)
- Kismet Fleisch GmbH - https://www.kismet-fleisch.de/ (Abruf: 2026-09-28)
- MELEDI Dortmund - https://www.meledi.de/meledi-dortmund (Abruf: 2026-09-28)